Unter „Resettlement“ versteht man die organisierte und dauerhafte Neuansiedlung besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge in einem Drittstaat, der ihnen vollen Flüchtlingsschutz gewährt und die Möglichkeit zur Integration im Land bietet.
In vielen Fällen werden Flüchtlinge in einem Erstasylstaat (wo die Personen zunächst Schutz gefunden haben) von UNHCR für eine Umsiedelung ausgewählt und einem Aufnahmestaat vorgeschlagen. Die endgültige Entscheidung, ob es zu einem Resettlement kommt, trifft (oft nach weiteren Prüfungen) der jeweilige Aufnahmestaat.
In einigen Staaten können neben UNHCR auch Botschaften, ausgewählte Organisationen oder – wie beim kanadischen private sponsorship-Programm – Personengruppen und Vereine, die bereit sind, Kosten und Integrationsaufgaben zu übernehmen, Flüchtlinge für ein Resettlement vorschlagen.
Alle in den folgenden Grafiken angegebenen Zahlen beziehen auf sich auf umgesiedelte Personen, die bereits im Aufnahmestaat angekommen sind.
Für die Neuansiedelungen, die unter Beteiligung von UNHCR stattfanden, siehe auch ⇒ Resettlement über UNHCR 2023
Umgesiedelte Personen gesamt
2023 wurden weltweit 158.591 Flüchtlinge über Resettlement in verschiedenen Aufnahmestaaten neu angesiedelt. Mehr als 150.000 Resettlement-Aufnahmen gab es bereits in den Jahren von 1989 bis 1994 und zuletzt 2016. Die geringe Zahl an Aufnahmen in den Jahren 2020 und 2021 war auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen.
Anmerkung: In der UNHCR-Datenbank scheinen für 2015 106.997, für 2021 57.436 und für 2022 114.242 Resettlement-Aufnahmen auf, wobei aber Daten für die Niederlande (2015), Frankreich (2015, 2021) bzw. Finnland (2022) fehlen.
96.311 Neuansiedelungen erfolgten 2023 unter Beteiligung von UNHCR, das waren etwa 60 Prozent aller Neuansiedelungen.
Aufnahmestaaten
24 Staaten haben 2023 Resettlement-Flüchtlinge aufgenommen. Die USA und Kanada waren jene Staaten, welche die größte Zahl an Schutzbedürftigen neu angesiedelt haben (auf diese beiden Staaten entfielen 80 Prozent aller Aufnahmen).
Bezogen auf die Bevölkerungsgröße hat 2023 Kanada den meisten Flüchtlingen eine neue Heimat geboten, gefolgt von Australien, Norwegen, Neuseeland, Finnland und den USA.
Die USA waren in den meisten der letzten 20 Jahre der Staat mit der höchsten Zahl an Resettlement-Aufnahmen, nur 2018, 2019, 2021 und 2022 war es Kanada.
Die Zunahme der Neuansiedlungen weltweit 2023 war vor allem durch vermehrte Aufnahmen durch die Vereinigten Staaten und Kanada bedingt. Die Zahl der von europäischen Staaten aufgenommenen Resettlement-Flüchtlinge ging hingegen zurück.
Unter der Präsidentschaft von Donald Trump (2017-2020) wurden in den USA die Aufnahmekontingente für Flüchtlinge drastisch reduziert. Es dauerte aber bis 2023, bis die Zahl der Resettlement-Aufnahmen wieder deutlich anstieg.
In Kanada wurden 2023 mehr Flüchtlinge neu angesiedelt als in jedem Jahr zuvor.
Resettlement-Aufnahmen ohne Beteiligung von UNHCR gab es in größerer Zahl nur in Kanada, den USA und Australien. Während in den europäischen Staaten Aufnahmen fast immer über UNHCR erfolgen, waren es in Kanada und Australien nur etwa ein Viertel der gesamten Neuansiedelungen.
Europäische Aufnahmestaaten
Von europäischen Staaten wurden 2023 15.690 Flüchtlinge neu angesiedelt. Das waren um fast 5.000 weniger als im Vorjahr und nur halb so viele wie im Jahr 2019. 12.476 Aufnahmen erfolgten durch EU-Staaten, 3.214 durch nicht-EU-Staaten.
Deutschland war 2023 der europäische Staat mit den meisten Resettlement-Aufnahmen, gefolgt von Frankreich und Norwegen. Insgesamt haben in Europa 14 EU- und 4 nicht-EU-Staaten Schutzbedürftige aufgenommen.
Schweden war viele Jahre lang einer der wichtigsten Zielstaaten für Resettlement-Flüchtlinge. 2021 wurden etwa noch 6.695 Schutzbedürftige aufgenommen. Ende 2022 kündigte jedoch die neue rechtsgerichtete Regierung an, das Aufnahmekontingent von 5.000 Personen auf 900 zu senken. Tatsächlich neu angesiedelt wurden 2023 dann allerdings lediglich 499 Personen.
Das Vereinigte Königreich – von 2016 bis 2019 der europäische Staat mit den meisten Neuansiedelungen – hat seit 2020 nur mehr eine relativ geringe Zahl an Flüchtlingen aufgenommen.
Österreich hat sich seit 2018 nicht mehr am Resettlement von Schutzbedürftigen beteiligt. Von 2013 bis 2017 hatte Österreich insgesamt 1.725 syrische Flüchtlinge aufgenommen.
Herkunftsstaaten
„Herkunftsstaat“ bezieht sich auf die Staatsangehörigkeit der umgesiedelten Schutzbedürftigen, nicht auf den Staat, aus dem das Resettlement tatsächlich stattgefunden hat.
Die meisten der 2023 neu angesiedelten Flüchtlinge stammten aus Syrien, Afghanistan und der Demokratischen Republik Kongo.
Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im August 2022 war eine deutliche Zunahme der Neuansiedelungen von afghanischen Staatsangehörigen zu beobachten.
Herkunftsstaaten mit den meisten in einem der letzten 20 Jahre umgesiedelten Flüchtlingen waren Somalia (2004-2006), Myanmar (2007-2008, 2011, 2015), der Irak (2009-2010, 2012-2014), Syrien (2016-2021, 2023) und Afghanistan (2022).
Neuansiedelungen von Flüchtlingen aus Syrien, der DR Kongo, Myanmar und dem Sudan erfolgten oft über UNHCR. Viele Resettlement-Aufnahmen ohne Beteiligung von UNHCR gab es bei aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und dem Irak stammenden Personen.
Wer wurde wohin umgesiedelt?
In den USA stammten 2023 die meisten der über Resettlement aufgenommenen Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo, aus Syrien, Afghanistan und Myanmar, in Kanada aus Afghanistan, Eritrea und Syrien.
In Australien, Finnland, der Schweiz und Italien war Afghanistan der Hauptherkunftsstaat neu angesiedelter Flüchtlinge, in Deutschland, Frankreich, Norwegen, Neuseeland, Spanien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Portugal war es Syrien und in Schweden und Belgien die DR Kongo.
Die USA waren für Resettlement-Flüchtlinge aus Syrien, der DR Kongo, Myanmar, dem Sudan, Venezuela, Guatemala, dem Iran, Kolumbien, der Zentralafrikanischen Republik, Pakistan und dem Südsudan der wichtigste Aufnahmestaat. Die meisten Neuansiedelungen von Schutzbedürftigen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und Äthiopien gab es durch Kanada. Australien nahm die größte Zahl an irakischen Flüchtlingen auf.
Anmerkungen
Die in diesem Artikel verwendeten Daten stammen vor allem aus der UNHCR-Datenbank Refugee Data Finder (Datensatz Solutions/Resettlement Arrivals). UNHCR verwendet hier Zahlen, die von den Regierungen der Aufnahmestaaten zur Verfügung gestellt wurden. Daten zu den Resettlement-Aufnahmen über UNHCR kommen aus dem Resettlement Data Finder. Hier greift UNHCR auf eigene Daten zurück.
Mittlerweile wurden die Daten zu Resettlement-Aufnahmen über UNHCR ebenfalls in das Datenportal „UNHCR Refugee Data Finder“ integriert.
Einzelne im Refugee Data Finder fehlende Angaben (Resettlement-Aufnahmen durch Finnland für 2022, Frankreich für 2015 und 2021 und die Niederlande für 2015) wurden durch die bei Eurostat angegebenen Werte ersetzt. Dadurch weichen die in diesem Artikel dargestellten Gesamtsummen der Resettlement-Aufnahmen für die Jahre 2015, 2021 und 2022 von jenen, die in der UNHCR-Datenbank angegeben sind, ab. Bei den Angaben zu den Aufnahmen nach Herkunftsstaaten sind die fehlenden Daten nicht berücksichtigt.
Die verwendeten Daten wurden am 20.6.2023 abgerufen.